Arzneipflanzen werden nach ihren Hauptinhaltsstoffen eingeteilt.
Man findet u.a. folgende Stoffgruppen:
Ätherische Öle
Bitterstoffe
Cumarin
Gerbstoffe
Flavonoide
Saponine
Andere Stoffgruppen
Alle Inhaltsstoffgruppen haben wiederum bestimmte Wirkungen gemeinsam:
Ätherische Öle bestehen immer aus einer genetisch bestimmten Mischung
aus bis zu 500 verschiedenen Stoffen. Ätherische Öle lösen sich
nicht in Wasser, verdampfen leicht und haben einen aromatischen Geruch.
Die Öle werden durch die Haut oder Schleimhaut aufgenommen und von dort
in den ganzen Körper verteilt. Die Ausscheidung erfolgt über die Nieren,
Galle oder dem Atemweg. Man findet unter den ätherischen-Öl-Pflanzen
folgende Wirkungs- und Anwendungsgebiete:
Bitterstoffpflanzen werden ausschliesslich aufgrund ihres intensiven bitteren
Geschmacks verwendet, der reflektorisch die Speicheldrüse- und Magensaftsekretion
anregt. Man erkennt den bitteren Geschmack durch Erregung best. Geschmackssensoren
des Zungengrundes (bitterer Nachgeschmack). Diese senden Signale zum Gehirn
und es erfolgt reflektorisch eine Anschwellung der sezernierenden Schleimhäute.
Bitterstoffe haben deshalb einen positiven Einfluss auf den Verdauungsprozess:
es kommt zu einer Zunahme des Appetits sowie zu einer Förderung der Resorption
der Nahrung. Voraussetzung ist allerdings, dass sie etwa 30 Minuten vor der
dem Essen verwendet werden. Typische Bitterstoffpflanzen sind der Hopfen
und der Wermut die z.T. in Aperitifs und Kräuterliköre
verwendet werden.
Cumarin ist eine Stoffgruppe, die für den typischen Heugeruch beim Trocknen von Gras verantwortlich ist. Bestimmte Cumarintypen wurden früher als Geruchs- und Geschmackstoffe in Nahrungsmittel verwendet. Aufgrund von schädlichen Nebenwirkungen sind sie aber zu diesem Zweck nicht mehr im Gebrauch.
Furanocumarine haben eine stark photosensibilisierende Eigenschaft auf
die Haut. Im Sonnenlicht reagieren diese Stoffe mit der Nukleinsäure Thymin
und verhindern dadurch ein Ablesen der Haut-DNA und damit ihre Vermehrung (Mitose).
Nach 7-12 Stunden führt dies zu einem Ausschlag und zur Blasenbildung.
Nach 2 Tagen beginnt eine vermehrte Produktion des Stoffes Melanin und
es entsteht ein indirekter Bräunungseffekt. Die gleiche Erscheinung beobachtet
man auch, wenn die Haut vor dem Sonnenbaden mit Sellerieblättern, Eau de
Cologne oder Wiesenpflanzen in Berührung kommt. Furanocumarine werden z.T.
zur Behandlung von bestimmten Pigmentanomalien oder der Schuppenflechte verwendet.
Wie alle Stoffe, die eine direkte Wirkung auf das DNA-Molekyl haben, ist eine krebserregende Wirkung bei hohen Dosen nicht auszuschliessen.
Pflanzen mit einem gewissen Cumaringehalt sind zB der Engelwurz,
Pastinak, und Liebstöckel; diese werden
heute als harntreibendes Mittel oder zur besseren Verdauung angewendet.
Diese Inhaltsstoffe können zum Gerben von Tierhäuten verwendet werden. In diesem Prozess werden lösliche Proteine der Haut zu unlöslichen Produkten verändert.
Als pharmazeutische Wirkstoffe bilden die Gerbstoffe eine Koagulationsmembran in den obersten Schichten der Schleimhäute und des Bindegewebes. Es kommt dadurch zu einer Abdichtung der betreffenden Gewebeteile, zur Herabsetzung der Reizbarkeit der Zellen, zur Verminderung der Drüsensekretion (Mundtrockenheit) und zur Herabsetzung der Geschmacksempfindlichkeit durch Angerben der Oberfläche. Äusserlich wirken Gerbstoffe deshalb sekretionshemmend, reizmildernd, entzündungswidrig und trocknend auf Haut und Wunden. Gerbsoffe haben ausserdem eine lokalanästhetische Wirkung durch Funktionsminderung der sensiblen Nervenendigungen, sie wirken antibiotisch (Bakterien werden angegerbt, gehemmt und schliesslich getötet) und blutstillend durch Adstringtion der Kapillaren. Sie werden äusserlich bei Wunden, Hämorrhoiden, und bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums verwendet. Innerlich wirken sie gegen Durchfallerkrankungen.
Man kann Gerbstoffe auch als Gegengift bei verschiedenen Alkaloid- und Schwermetallvergiftungen verwenden. Sie bilden mit dem im Magen befindlichen Gift ein Adsorbat. Diese Adsorbate sind nicht irreversibel, deshalb ist eine schnelle Magen/Darmentleerung durch Gabe von Abführmitteln notwendig.
Gerbstoffe verzögern die Resorption bestimmter Wirkstoffe wie z.B. ätherischer Öle und leisten als Nebenwirkstoffe in Pflanzen wesentliche Dienste (Schwarzer Tee wirkt z.B. milder und später als Kaffee).
Die Aufnahme von grossen Dosen kann zu Leberschäden führen. Die volksmedizinische Anwendung bei Brandwunden und zur Diabetesbehandlung wird deshalb nicht empfohlen!
Pflanzen mit einem hohen Gehalt an Gerbstoffen sind die Walnussblätter,
Eiche und Heidelbeeren.
Bis jetzt konnten mehr als 300 verschiedene Flavonoide aus dem Pflanzenreich isoliert werden. Flavonoide sind gewöhnliche Stoffe im Stoffkreislauf der Pflanzen und spielen dort eine Rolle als Schutz gegen Pilz- und Virusinfektionen, zur Kontrolle der Wachstumsprozesse, als Filter gegen schädliche UV-Strahlung oder als Farbstoff zum Anlocken von Insekten.
Pflanzen mit einem Gehalt von 0,5-35% Flavone bezeichnet man als Flavonoiddrogen
(Arnika, Ginkgo,
Birke, Weissdorn..). Man findet hier u.a. krampflösende, harn- und schweisstreibende
Wirkungen.
Bestimmte Flavonoide sind herzwirksam oder haben eine kapillarabdichtende Wirkung
(Hyaluronat-Lyase-Hemmung). Diese Stoffe finden Anwendung bei zu hohem Blutdruck,
Arteriosklerose, Diabetes oder als mildes Herztonikum.
Weitere Stoffgruppen finden wir in den herzwirksammen Pflanzen und in der grossen Alkaloidgruppe. Diese Pflanzen produzieren teilweise sehr stark wirkende Stoffe wie zB Atropin, Codein, Morfin oder Digitalisglykoside.
Pflanzeninhaltsstoffe sind oft in bestimmten Pflanzenteilen konzentriert. Die Teile die zur Zubereitung von Arzneimittel verwendet werden, bezeichnet man als "Droge". Man unterscheidet folgende Pflanzenteile:
| Flos | Blüten |
| Folium | Blätter |
| Herba | alle Pflanzenteile, ausser der Wurzel |
| Radix | Wurzeln |
| Fructus | Früchte |
| Semen | Samen |
| Cortex | Rinde |
| Bulbus | Zwiebel |
Zum Gebrauch von Pflanzenmedizin empfiehlt es sich, die Drogen oder konzentrierte Extrakte in der Apotheke bzw. Naturkostläden zu kaufen. Diese Produkte sind von hoher und kontrollierter Qualität. Fertige Extrakte haben auch den grossen Vorteil, dass sie standardisierte Inhaltsstoffe enthalten und immer richtig dosiert sind.